Mitteilungen der Sektion und der Wagenwerkstatt
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Die Friteuse hatte "alle Hände voll" zu tun ...
Tag der offenen Wagenwerkstatt 2026
Von Walter Schmid (Text) und Walter Marti (Bilder)
Nach Einweisung auf das Parkareal benachbarter Firmen begrüsste die eindrucksvolle Silhouette einer Dampfbahn die ankommenden Gäste schon von Weitem – ein passender Auftakt zum 32-jährigen Jubiläum der Wagenwerkstatt Aarau (WWA).
Die Veranstaltung präsentierte sich perfekt organisiert und mit viel Liebe zum Detail. Zahlreiche Mitarbeitende sorgten in ihren gut sichtbaren orangefarbenen Westen für einen reibungslosen Ablauf.
Für das leibliche Wohl war bestens gesorgt: Die Getränke-, Kaffee- und Kuchenbar lockte mit einer grossen Auswahl an Köstlichkeiten, darunter auch spezielle Crèmeschnitten aus dem Fricktal. Gleichzeitig zog der Duft von frisch gegrillten Bratwürsten und Furka-Schnitzeln durch die Gänge und machte Appetit.
Bereits vor der offiziellen Öffnung waren erste Gäste auf dem Gelände unterwegs, doch schon bald setzte ein reger Besucherstrom ein. Bei herrlichem Frühlingswetter trafen viele Familien – oft mit dem Velo – ein.
Für die Kinder gab es viel zu entdecken. Oft bestimmten sie den Ablauf: zuerst eine oder mehrere Runden mit der Mini-Dampfbahn rund um das Gelände, danach ein Besuch beim Stand, an dem Holzwagen selbst gebaut werden konnten. Manch ein Kind war dabei auf die Hilfe von Erwachsenen angewiesen. Als Belohnung gab es einen „Dubler“ dazu. Das Angebot war bereits kurz nach Mittag ausverkauft.
Etwa eine Stunde nach der Öffnung richtete Präsident Kurt Gross ein Grusswort an die Gäste. Werkstattchef Werner Beer informierte anschliessend über die aktuellen Projekte, den Neubau des AB 4463 und die Revision des B 4229.
Handwerklich wurde einiges geboten: Ein Mitarbeiter demonstrierte an der Drehbank die Herstellung von Eierbechern aus Metall, während ein anderer die aufgestellten Lokleuchten präsentierte. Ein dritter gab Einblicke in die Funktionsweise der Dampfheizung. Weitere Stationen widmeten sich dem Innenausbau des neuen Wagens AB 4463, sowie der Stuhlproduktion in der Schreinerei. Im B 4229 konnten Besucher auf frisch gereinigten Holzbänken das Gefühl einer Fahrt in der „Holzklasse“ nachempfinden.
Auch das Videokino erfreute sich grosser Beliebtheit – freie Sitzplätze waren zeitweise Mangelware. Gezeigt wurden Filme über die 17 Kilometer lange Strecke der Dampfbahn Furka-Bergstrecke sowie ein Beitrag aus der Reihe „Eisenbahnromantik“, der die besondere Entstehungsgeschichte dieses Projekts beleuchtete.
Wer ein Andenken mitnehmen wollte, wurde am Souvenirstand fündig: Küchenbretter, Textilien, Weinflaschen, Plaketten, Bücher, Kalender und vieles mehr standen zur Auswahl.
Zur Mittagszeit verlagerte sich das Geschehen zunehmend in Richtung Verpflegung. Während es in der Ausstellungshalle etwas ruhiger wurde, bildete sich vor dem Grillstand eine lange Schlange. Die Nachfrage war so gross, dass die Fritteuse zeitweise an ihre Grenzen kam. Sitzplätze in der Festwirtschaft im Freien waren heiss begehrt, ebenso im erweiterten „Hexenkaffee“.
Am Nachmittag folgte eine weitere Besucherwelle, bevor der Anlass gegen 17 Uhr zu Ende ging. Für die Gäste war es ein erlebnisreicher und gelungener Tag. Für die Mitarbeitenden jedoch begann nun der zweite Teil: Aufräumen, Abrechnen und die Wiederherstellung des Alltags. Ein rundum gelungener Ausstellungstag bei der WWA!
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39. Generalversammlung vom 6. März 2026
Von Walter Schmid
Nach einem Häppchen-Apero und einem Glas Wein zum Aufwärmen begrüsste Vereinspräsident Kurt Gross 62 Teilnehmer, davon 56 stimmberechtigte Mitglieder zur diesjährigen GV. Seitens der Dampfbahn nahmen Verwaltungsratspräsident Peter F. Amacher, Geschäftsleiter Karl Reichenbach und ZV-Präsident Beat Scheuter teil.
Die Versammlung begann mit einer Schweigeminute für alle Ehemaligen, die im vergangenen Jahr verstorben waren.
Als Stimmenzähler hatten sich Matthias Schmid und Hans Ott zur Verfügung gestellt.
Das Protokoll der letzten GV 2025 (Traktandum 3) und der Jahresbericht 2025 (Traktandum 4) wurden zügig und einstimmig verabschiedet.



Stabile Finanzen
Danach erläuterte Urs Hasler die Jahresrechnung 2025 und das Budget 2026. Erfreulicherweise schliesst die Jahresrechnung mit einem kleinen Überschuss ab. Die finanzielle Situation des Vereins insgesamt ist sehr gut, auch wenn auf den Festanlagen fast keinen Zins mehr erwirtschaftet werden kann. Zudem besitzt der Verein 1092 Namensaktien der DFB AG. Weit über Budget lagen die allgemeinen Spenden für die Wagenwerkstatt und die Einnahmen durch den Materialverkauf.
Auf Empfehlung des Revisors Hansjörg Burger wurden die Jahresrechnung 2025 und das Budget 2026 von den Stimmberechtigten einstimmig genehmigt und dem Vorstand Decharge erteilt.
Rückblick und Ausblick
Als erster Gastredner präsentierte Karl Reichenbach beeindruckende Zahlen zum Geschäftsjahr 2025: Die Passagierzahlen stiegen um 8,6 %, der Umsatz sogar um 17 %. Für die kommende Saison wurden bereits 13'000 Plätze verkauft. Insgesamt waren 952 Personen mit Dienstausweis für die DFB AG tätig.
Das Management der DFB AG steht vor mehreren Herausforderungen: Zum einen muss ein historisches System betrieben werden, das dennoch den neuesten Sicherheitsanforderungen genügt. Zum anderen fehlt in den ersten Monaten des Geschäftsjahres die Liquidität, bevor Einnahmen fließen.
Die im vergangenen September ausgestrahlten Werbespots im Fernsehen SRF lösten ein großes Echo aus. Unter dem Slogan „Sichtbarkeit erhöhen“ wird nun der gesamte Marketing-Auftritt der DFB erneuert.
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der DFB findet vom 3. bis 5. Juli 2026 ein dreitägiges Fest an den Festplätzen Gletsch und Realp statt, inklusive Fahrten nach Andermatt und über den Oberalppass. Das Jubiläumsfest verspricht ein Highlight im Vereinsjahr zu werden.
Anschliessend verdankte Verwaltungsratspräsident Peter Amacher die grossen Leistungen der vielen freiwilligen Mitarbeiter in den unterschiedlichsten Bereichen. Seine Hauptsorge gilt dem teuren und aufwändigen Unterhalt der Bergstrecke, der den Fahrbetrieb der Dampfbahn überhaupt erst möglich macht.
Unter dem Motto "Wir fahren dank Freiwilligen" stellte ZV-Präsident Beat Scheuter ein neues Konzept für die künftige Mitarbeiter-Werbung vor. Die kahlen Wände an den eigenen Haltestellen sollen für Werbeplakate mit QR-Codes genutzt werden. Auch ein neues Kundenmagazin soll lanciert werden.
Die Lok-Werkstatt Uzwil kann leider nicht die neuen Räume umziehen, da das geplante Gebäude nicht erstellt wird.

Peter Amacher

Beat Scheuter
Aktivitäten des Vereins
Daniel von Niederhäusern gab uns mit einer Bildschau Einblicke in die vielfältige Arbeit der Wagenwerkstatt Aarau. Gezeigt wurden unter anderem der Innenausbau des Wagens AB 4463, die Zwischenrevision des Wagens B 4229, sowie die Überführung des Benzintriebwagens CFmh 2/2 nach Goldau.
Kurt Gross erläuterte das Jahresprogamm 2026.
Jean-Claude Zimmerli warb für vier Bauwochen 2026 an der Furkastrecke. Ideal wären 12 Personen pro Gruppe.
Peter Krauss von der Sektion Stuttgart bedankte sich in humorvollen Worten für die gute Zusammenarbeit mit der Sektion Aargau in der Arbeitswoche 3 und übergab uns als Geschenk ein Fotobuch mit Impressionen.
Harald Salzmann dankte seinem 11-köpfigen Werbeteam für den prompten Einsatz bei den diversen Anlässen im Jahr 2025. Auch für das laufende Jahr sind wieder verschiedene Auftritte geplant, unter anderem bei SBB Historic am Pfingstwochenende in Brugg.
Änderungen im Vorstand und Ehrungen
Mit grossem Bedauern musste der Präsident den Rücktritt von drei verdienten und langjährigen Mitgliedern des Vorstands zur Kenntnis nehmen.
Nach neun Jahren Organisation von Reisen für Mitglieder und Externe tritt Heidi Schmid von ihrem Amt zurück und übergibt ihre Aufgaben dem Nachfolger Jürg Wälti. Sie bleibt dem Verein jedoch weiterhin im Küchenteam erhalten.
Rosmarie Hirzel gibt ihre Funktion als Vereinsdelegierte ab.
Ob als Präsident, Vize-Präsident, Kommunikationsverantwortlicher, Redaktor der Sektionsnachrichten, Webmaster, Mitarbeiter in der Wagenwerkstatt (Schreinerei, Elektroinstallationen) ... nach 28 Jahren engagierter Vereinsarbeit in vielfältigen Funktionen übergibt Heinz Unterweger sein Amt an Walter Marti, einem Neumitglied aus der Region Aarau, der vor seiner Pensionierung als Chirurg tätig war. Mit seinem jahrzehntelangen Einsatz hat Heinz Unterweger den Verein nachhaltig geprägt und Spuren hinterlassen, die noch lange spürbar bleiben werden.
Mit Leo Müller tritt auch der aktuelle Event Manager von seinem Amt zurück. Nach seiner Pensionierung im Jahr 2014 übernahm er bis heute vielfältige Aufgaben im Verein und im Vorstand, unter anderem zeitweise auch als Interims-Präsidenten. In seiner Verantwortung lag die Organisation des "Tag der offenen Wagenwerkstatt" und die Führung von externen Besuchergruppen. Bewährt hat er sich auch als Zugbegleiter auf der Furkastrecke. Seine Nachfolge ist noch nicht geregelt.
Neu in den Vorstand aufgenommen wird Daniel von Niederhäusern, ein aktives Mitglied mit breiter Erfahrung sowohl in der Wagenwerkstatt als auch an der Furkastrecke. Damit soll die Leitung der Wagenwerkstatt auf mehrere Schultern verteilt und Werner Beer entlastet werden.
Alle abtretenden Vorstandmitglieder wurden gewürdigt und mit einem passenden Geschenk verabschiedet.

Wahlen
Alle zur Wahl stehenden Personen wurden ohne Gegenstimme bestätigt, Präsident, Vorstandsmitglieder, Ersatzmitglieder, Revisor und Vereinsdelegierte.
Da unter dem Punkt "Verschiedenes und Umfragen" keine offenen Themen zu besprechen waren, schloss der Präsident um 22 Uhr die Versammlung.
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Transfer des benzinmechanischen Triebwagens FO CFmh 21 von Aarau nach Goldau
Von Werner Beer
Der obige Clip zeigt den Vorgang des Verladens und Abtransports des FO CFmh 21 aus der Wagenwerkstatt Aarau am 13. November 2025 (Quelle: Heinz Unterweger).
Geschichte des Triebwagens FO CFmh 21
Im Jahr 1927 beauftragte die Furka-Oberalpbahn (FO) die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) mit dem Bau von zwei benzinmechanischen Triebwagen des Typs CFmh 21 und 22 (Fahrgestell SIG). Diese zweiachsigen Fahrzeuge wurden als kombinierte Adhäsions- und Zahnradtriebwagen für die Meterspur konzipiert.
Die Triebwagen waren speziell für den Winterbetrieb vorgesehen, wenn das Streckennetz der FO in zwei Teile geteilt war. Ihre Hauptaufgabe war es, den minimalen Verkehrsdienst im Goms und im Tavetsch sicherzustellen. Besonders wichtig war der Postverkehr zwischen Brig und Oberwald im Goms sowie zwischen Disentis und Sedrun im Tavetsch. In den damals verkehrsschwachen Wintermonaten reichte die Kapazität der Triebwagen mit 32 Sitzplätzen in der Regel aus, um den Verkehr allein zu bewältigen.
Um Betriebskosten zu reduzieren, wurden Dampflokomotiven in dieser Zeit vorrangig für Schneepflugfahrten, an Verkehrsspitzen sowie als Reserve eingesetzt. Während der Wintermonate wurden je eine Dampflok in den Depots von Münster und Disentis stationiert, um die Triebwagen im Bedarfsfall zu unterstützen. Ab 1939 wurde zudem ein erweitertes Betriebsregime für den militärischen „Reduit“-Verkehr eingeführt. In den Kriegsjahren, vor und während der Elektrifikation der FO, wurde die Verbindung zwischen Andermatt und Disentis auch im Winter aufrechterhalten.
Die benzinmechanischen Triebwagen sollten im Adhäsionsbetrieb mit einem Anhängewagen eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h erreichen, in der Zahnstange jedoch nur bis zu 15 km/h bei einer Steigung von 90 ‰. Auf einer Steigung von 110 ‰ sollten sie als Alleinfahrer ebenfalls 15 km/h fahren. Die beiden Fahrzeuge erfüllten bis zur Elektrifikation der FO ihren Dienst zuverlässig.
Nach der Elektrifizierung der Strecke im Jahr 1941 wurden die benzinmechanischen Triebwagen durch elektrische Triebwagen ersetzt. Ab diesem Zeitpunkt bestand kein Bedarf mehr an den Benzintriebwagen. Ein Fahrzeug wurde als Reserve behalten, während das andere ohne Zahnradantrieb als Rangierfahrzeug bei der RhB in Chur weiterverwendet wurde.
Das Fahrzeug Nr. 22 wurde 1958 ausgemustert und abgebrochen, während Nr. 21 als Ausstellungsstück für das Verkehrshaus überlebte und heute im Besitz der Stiftung Furka-Bergstrecke ist.
Das vorliegende Projekt verfolgt das Ziel, dieses historische Fahrzeug im originalen Zustand zu erhalten. Die nostalgische Konzeption sieht vor, dass der Triebwagen mit seinen originalen Bänken, Fenstern und dem intakten Interieur für die Reisenden die damalige Epoche erlebbar macht.
Historische Meilensteine:
1927: Bestellung bei der SLM / SIG
1928: Inbetriebnahme als BCmh 21 und 22
1934: Umbau des 2. Klasseabteils in ein Gepäckabteil, Umbenennung in CFmh 21 und 22
1941: Fahrzeug Nr. 21 wird zu X4969
1947: Fahrzeug Nr. 22 wird an die RhB abgegeben und im Rangierdienst in Chur als CFm 150 eingesetzt
1959: Ausmusterung von Nr. 22, der Kasten wird als Pfadiheim verwendet
1965: Fahrzeug Nr. 21 wird für das Verkehrshaus hergerichtet und ausgestellt
1996: Leihgabe an die DFB, Transport nach Goldau durch die Firma Müri
2000: Transport nach Aarau in die Wagenwerkstatt an der Industriestrasse
2008: Transport in die neue Wagenwerkstatt an der Rohrerstrasse 118
2009: Aufpolierung des Fahrzeugs für den “Tag der offenen Wagenwerkstatt”
2010: Eigentumsübertragung an die Stiftung Furka-Bergstrecke (SFB)
2025: Abholung durch die Gruppe R12, Goldau, durch Martin Horath
2025: Beginn der Planungsarbeiten zur Zustandsbeurteilung, der Finanzierung und der Wiederinbetriebnahme des Fahrzeugs bis zum 100. Geburtstag im Jahr 2027
Eine hervorragende Dokumention zum Umzug des Benzintriebwagens findet sich auch auf YouTube (Kanal Schöneggbahn):
