Schneeräumung

Aktuelle Berichte und Hintergrundinformationen

Impressionen zur Schneeräumung 2021

Zusammenfassung

Jedes Jahr zwischen Mitte Mai und Mitte Juni sind täglich bis zu zwanzig Freiwillige während drei bis vier Wochen daran, die Schneemassen zu räumen, die Steffenbachbrücke aufzustellen, die Gebäude und Nebenanlagen auszuwintern sowie die Weichen und Sicherungsanlagen zu installieren. Die Freiwilligen kommen vom Bau (Schneeräumungs-, Steffenbachbrücken-, Auswinterungs-, Sicherungsanlagen-Team) und von der Zugförderung und Werkstätten (Dieselcrew). Die Schneeräumung und die Vorbereitung der Bahnanlagen für die gegen Ende Juni beginnende Betriebssaison beanspruchen jährlich rund 350 bis 450 Frau- und Manntage. Die Schneemassen und die latente Lawinengefahr fordern den Freiwilligen und Maschinen Alles ab. Ungeachtet dessen ist die Schneeräumung für Alle ein einzigartiges Erlebnis.

Erkundung

Jeweils Anfang Mai erkundet eine Gruppe von Freiwilligen mit Schneeschuhen die gesamte Bahnstrecke zwischen Oberwald und Realp. Hierbei geht es darum, sich vor Ort einen Überblick über die aktuelle Schnee- und Lawinensituation zu verschaffen.

© Patrick Smit

Die Holzpfähle bei der Westeinfahrt der Station Muttbach-Belvédère sind der einzige sichtbare Hinweis, dass sich unter der bis zu 8 m tiefen Schneedecke die Gleise der Station befinden.

Sicherheit über Alles

Der Zeitplan und das Dispositiv der Schneeräumung richten sich nach der aktuellen Lawinengefahr und den anstehenden Arbeiten. Da die Sicherheit oberste Priorität hat, muss jeder Freiwillige, der während der Schneeräumung an der Bahnstrecke arbeitet, mindestens alle drei Jahre den Lawinenkurs absolvieren. Dieser wird jährlich jeweils im Januar in Realp durchgeführt. Während der Schneeräumung trägt jeder Freiwilliger unter seinen Kleidern ein Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS) der DFB. Jeden Morgen prüfen die Gruppenleiter die Funktionsbereitschaft der LVS der einzelnen Gruppenangehörigen. Vor der Abfahrt der Schneeräumer mit der Diesellok HGm 51 zwischen 06.00 Uhr und 06.30 Uhr erkunden zwei erfahrene Schneeräumer vom gegenüberliegenden sicheren Hang die Bahnstrecke. Während die Schneeräumer ihrer Arbeit nachgehen, überwacht die Lawinenwache alle Arbeitsplätze und die darüber liegenden Hänge. Löst sich ein Schneerutsch oder eine Lawine alarmiert die Wache über Funk sofort alle Arbeitsgruppen. Da die Schneerutsche und Lawinen eine geringe Fliessgeschwindigkeit haben, bleibt den Schneeräumern genügend Zeit, um sich nach dem Alarm an einen sicheren Ort zu begeben.

Anspruchsvolle Schneeräumung zwischen Wilerbrücke und Steffenbachbrücke

© Patrick Smit

Ein grosser Schneerutsch hat das bereits geräumte Streckengleis zwischen den Alt-Senntumstafel-Tunnel III und II verschüttet. Die HGm 51 mit Anbaufräse wartet im Tunnel III bis der Bagger die Schneemassen bis auf die Räumhöhe der Anbaufräse abgetragen hat. Die Räumung dieses Rutsches dauerte einen halben Tag.

Während sich die INTRAC Raupen-Schneefräsen und die HGm 51 mit Anbaufräse langsam von der Wilerbrücke Richtung Steffenbachbrücke vorarbeiten, öffnen die Schneeräumungstrupps alle Tore der Altsenntumstafel-Tunnels I, II und III. Hinter den Tunneltoren kann sich der Schnee bis vier Meter über die Oberkante des Tunnelportals auftürmen. In der Folge muss ein Bagger vom Tunnelinnern aus jeweils einen Ausgang graben und eine Schneerampe anlegen. Erst danach können die INTRAC Fräsen die Tunnels verlassen. In der Regel dauert es rund eine Woche bis die beiden INTRAC Fräsen und die HGm 51 mit Anbaufräse die Strecke zwischen Wilerbrücke und Steffenbachbrücke geräumt haben.

© Patrick Smit

Schnitt um Schnitt fräst die INTRAC Raupenfräse einen Schneekanal in den bis zu 18 m mächtigen Lawinenkegel zwischen den Alt-Senntumstafel-Tunnels I und II.

Einmessung der Gleisachse ohne Bezugspunkte im Gelände

Damit die Maschinenbegleiter der INTRAC Fräsen wissen, wo sie den Schneekanal fräsen müssen, markiert ein Vermessungstrupp die Gleisachse mit Holzpflöcken. Hierbei setzt der Vermessungstrupp ein geoelektrisches Messverfahren ein, das beim Bauwesen für das Auffinden von Wasserleitungen verwendet wird. Zu diesem Zweck wird das Suchkabel unter Strom gesetzt, das entlang der Gleisachse oder der talseitigen Schiene verlegt ist. Mit einem empfindlichen Messgerät wird anschliessend an der Schneeoberfläche das vom Suchkabel ausgehende elektrische Feld eingemessen und daraus die Gleisachse sowie die Schneehöhe bestimmt.

Eindrückliche Schneekanäle zwischen Realp und Steffenbachbrücke

© Patrick Smit

Die HGm 51 mit Anbaufräse fräst den letzten, stark vereisten Lawinenschnee zwischen den Alt-Senntumstafel-Tunnels I und II weg.

Da der Lawinenschnee sehr kompakt ist, ist die Gefahr trotz der enormen Schneehöhen gering, dass die Schneewände einstürzen. Mit der fortlaufenden Schneeschmelze verringert sich die Höhe und die Stabilität der Schneewände jedoch zusehends. In der Folge kann der Bahnkörper zu Beginn der Betriebssaison mehrmals durch kleinere Schneerutsche verschüttet werden.

© Luc Wullschleger

Der bis 18 m tiefe Schneekanal zwischen den Alt-Senntumstafel-Tunnels I und II in der Morgensonne.

Aufbau der Steffenbachbrücke

Damit die Steffenbachbrücke aufgebaut werden kann, muss im Steffenbachtobel ein Schneekanal durch den oft meterhohen harten Lawinenkegel gegraben werden. Diese aufwändige, schweisstreibende Arbeit dauert bis zu einer Woche. Oft muss der stark vereiste Schnee mittels Kettensägen in Blöcke geschnitten und anschliessend mit Schneehexen fortgeschafft werden. Die Steffenbachbrücke wird jeweils gegen Ende der ersten Schneeräumungswoche aufgestellt.

© Patrick Smit

Das Mittelstück der Steffenbachbrücke taucht langsam aus dem Schneekanal auf.

Wenn es während des Aufbaus der Steffenbachbrücke zu warm ist, können die letzten Bolzen der Zahnstange oft erst einen Tag später montiert werden, nachdem sich die Brückenelemente während der Nacht «abgekühlt» haben.

© Patrick Smit

Demontage des Umlenkbocks nach Abschluss des Aufbaus der Steffenbachbrücke. Das Team beim bergseitigen Widerlager verschraubt die letzten Bolzen der Zahnstange.

Räumung zwischen Steffenbachbrücke und Furka

Sobald die INTRAC Fräsen und die HGm 51 mit Anbaufräse die Steffenbachbrücke passiert haben, kann die Schneeräumung Richtung Furka fortgesetzt werden. Die Räumung der meterhohen Schneeverwehungen unterhalb des Steinstafel-Viadukts, der vielen Lawinenkegel zwischen den Stationen Tiefenbach und Furka sowie der meterhohen Schneeverwehungen in der Station Furka erfordern viel Handarbeit. Sobald die Eingänge des Stationsgebäudes Furka geräumt sind, werden die Auswinterungsarbeiten in Angriff genommen. Das Stationsgebäude und der Holzofen sind für die Freiwilligen ein willkommener warmer Ort für das Mittagessen und die Pausen.

© Luc Wullschleger

Die Station Furka wird aus einer mächtigen Schneeverwehung ausgegraben.

Sobald der Schnee vom Streckengleis geräumt ist, beginnen Bautrupps mit den Umbau- und Reparaturarbeiten des Bahnkörpers. Der Zeitplan ist eng, weil diese Arbeiten vor Beginn der Betriebssaison abgeschlossen sein müssen.

© Luc Wullschleger

Die Dampflok HG 3/4 Nr. 4 zieht einen Materialzug mit Schotter und anderem Gleisbaumaterial zur Baustelle oberhalb der Sidelenbachbrücke.

Schneeräumung im Wallis

Nach Abschluss der Schneeräumung in der Station Furka wird die HGm 51 mit Anbaufräse, der Bagger sowie eine INTRAC Fräse durch den Furka-Basistunnel ins Wallis überführt. Anschliessend beginnt eine Gruppe mit der Räumung und Auswinterung des Streckengleises zwischen Oberwald und Gletsch sowie der Bahnanlagen der Station Gletsch.

© Luc Wullschleger

Auf dem Tiefgänger überführt die Dampflok HG 3/4 Nr. 4 die zweite INTRAC Fräse durch den Scheiteltunnel nach Muttbach-Belvédère.

Nach der Überführung der zweiten INTRAC Fräse durch den Scheiteltunnel räumt eine weitere Gruppe die Station Muttbach-Belvédère und wintert die Bahnanlagen aus. Sobald die Bahnanlagen von Gletsch geräumt sind, beginnen die INTRAC Fräse und die HGm 51 mit Anbaufräse mit der Räumung des Streckengleises zwischen Gletsch und Muttbach-Belvédère.

© Patrick Smit

Die HGm 51 mit Anbaufräse bei der Räumung zwischen dem Bahnübergang Furkastrasse und der Station Muttbach-Belvédère.

Die starke Eisbildung an den Schienen und Zahnstange können das Fortkommen der Räummannschaft verzögern. Damit die Diesellok HGm 51 während der Schneeräumung nicht entgleist, muss das Eis an den Schienen und Zahnstange jeweils mühsam von Hand weg gepickelt werden.

© Patrick Smit

Kurz vor der Station Muttbach-Belvédère muss die Räummannschaft das Eis von den Schienen und Zahnstange pickeln.

Auswinterung der Bahnanlagen und Installation der Sicherungsanlagen

Unmittelbar nach der Räumung der Bahnanlagen beginnt das Auswinterungsteam mit der Wieder-Inbetriebnahme der Stationen. Hierbei werden unter anderem die Wasserversorgungen in Betrieb genommen sowie die Infrastruktur der Stationen installiert. Gleichzeitig kümmert sich das Sicherungsanlagenteam um die Montage aller Weichenböcke, Signale, Bahnübergänge und Kontaktgeber und führt eine Funktionskontrolle dieser Anlagen durch. Nach einer Kontrollfahrt übergeben die Schneeräumungs-, Steffenbachbrücken-, Auswinterungs- und Sicherungsanalagenteams die Strecke und Bahnanlagen dem Betrieb.

© Luc Wullschleger

Installation des Ausfahrsignals der Station Muttbach-Belvédère.

Freiwillige für die Schneeräumung

Die Schneeräumung im Mai/Juni ist ein einzigartiges Erlebnis. Zwar ist der Einsatz physisch anspruchsvoll, jedoch in vieler Hinsicht faszinierend. Personen, welche Wintersport (Skifahren, Langlaufen, Schneeschuh laufen u.a.) betreiben und bereit sind, im Mai/Juni jeweils für eine Woche bei der Schneeräumung mitzuarbeiten, können sich gerne beim Leiter Schneeräumung (patrick.smit@dfb.ch) melden.

© Patrick Smit

Blick aus dem bergseitigen Portal des Alt-Senntumstafel-Tunnels 2.

Impressionen Winter 2020/2021

Impressionen Schneeräumung 2020

Impressionen Schneeräumung 2019 (Bericht Swissinfo.ch)

Impressionen Winter 2018/2019

Impressionen Schneeräumung 2018

Impressionen Winter 2017/2018

Impressionen Schneeräumung 2017

Gefällt Ihnen diese Geschichte?

EXTERNAL_SPLITTING_BEGIN
EXTERNAL_SPLITTING_END